Buch | Regie | Kamera | TON | Montage | Produktion

Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung

Das Helios-Areal gilt als Herzstück des Kölner Stadtteils Ehrenfeld: Mit seinem weithin sichtbaren Leuchtturm aus dem 19. Jahrhundert, mit den alten Werkhallen, in denen sich Clubs und Konzerträume, Werkstätten und Kreativbüros eingerichtet haben, und mit den vielen Brachflächen dazwischen verkörpert das idyllisch-heruntergekommene Gelände das besondere Potenzial eines früheren Arbeiterviertels, das gerade zum In-Viertel wird.

Doch wo die Ehrenfelder einen ihrer letzten alternativen Lebensräume am Rande einer dicht bebauten Innenstadt bewahren möchten, sehen Investoren und Stadtplaner vor allem ein riesiges ungenutztes Grundstück in Bestlage, das immer weiter zu verfallen droht. Hier könnte so vieles entstehen, so viel gebaut und so viel Geld verdient werden. Prominenter Großinvestor und Bauunternehmer Bauwens-Adenauer entscheidet sich für ein Einkaufszentrum.

Illustration
© Peter Hoffmann 2015

Illustration: Peter Hoffmann





Der Protest lässt nicht lange auf sich warten. Gastronomen und Handwerker, deren Existenz durch den geplanten Abriss auf dem Spiel steht, aber auch Anrainer und Nachbarn sehen die Shopping-Mall als Bedrohung für die gewachsene Infrastruktur und für den Einzelhandel des Viertels. Unterschriften werden gesammelt und eine Bürgerinitiative gegründet, deren Arbeitsgruppen nachhaltige und bürgernahe Konzepte zur Nutzung des Geländes erarbeiten wollen.

Mit Unterstützung des leidenschaftlich regierenden Bezirksbürgermeisters Wirges, dem die Menschen in seinem Veedel am Herzen liegen, kommt es zu einem Bürgerbeteiligungsverfahren, in dem Vertreter der Stadt zwischen den Interessen von Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft vermitteln und abwägen sollen.

Bald stehen erste Modelle im Raum. Kulturstätten, bezahlbarer Wohnraum, ein Park wäre schön – oder doch lieber ein Parkhaus? Visionäre und Pragmatiker, Radikale und Resignierte streiten über Machbarkeit und Kompromisse. Doch am Ende des konfliktreichen Prozesses steht eine Lösung, die so niemand erwartet hätte … 


Dokumentarfilm | 2015 | 87 min | punktfilm Anna Ditges | Das kleine Fernsehspiel ZDF | Film- und Medienstiftung NRW | FFA | DFFF | DEFA-Stiftung | Schwarz-Weiss Filmverleih







„Unterhaltsam, universell und schlichtweg menschlich.“
kino.de



Auszeichnungen


Filmbewertungsstelle Prädikat wertvoll 2020

Innovative Citizen Dortmund 2016

Duisburger Filmwoche Wettbewerb 2015

Fipadoc Biarritz Internationaler Wettbewerb 2015

Cinenova Köln Weltpremiere 2015

Filmfestspiele Biberach Festivalpremiere 2014

„Mit Charme und Humor zeigt die Kölner Regisseurin, wie ganz und gar verschiedene Wertvorstellungen und Lebensentwürfe aufeinanderprallen, und nimmt dadurch das Grundproblem der Demokratie unter die Lupe.“
Berliner Zeitung
Amtsleitende, Stadt Koeln, Bürgerbeteiligung
© Anna Ditges 2015

Stadtplanungsamt

Protest, Helios-Gelände, Anhörung
© Anna Ditges 2015

Bürgerversammlung

Brache, Graffiti, Leuchtturm
© Anna Ditges 2015

Brachfläche

In den letzten Jahren ist der Wille der Menschen, gehört zu werden und sich einzumischen, deutlich spürbar geworden. In vielen Städten, wo über die Köpfe der Anwohner hinweg entschieden wurde, haben sich Bürgerbewegungen gebildet. Immer wieder ist dann von Wutbürgern die Rede, die sich gegen jede Veränderung sperren. Dabei wird aber übersehen, dass durch dieses Engagement ein spannender demokratischer Prozess in Gang gesetzt wird.

An dem oftmals sehr ideologisch geführten Kampf um das Kölner Helios-Gelände, im Mikrokosmos der größten deutschen Provinzstadt, zeigt sich exemplarisch, wie überall in Deutschland die verschiedenen Interessengruppen – der Bürger, der Politik und der Wirtschaft – lernen müssen, miteinander umzugehen und Kompromisse zu finden.

Während der Dreharbeiten ist mir vor allem eines klar geworden: Für die Bewohner einer Stadt geht es bei solchen Entscheidungen um viel mehr als um einen Planungs- und Investitionsraum und um sehr viel mehr als ums bloße Rechthaben oder Blockierenwollen. Für sie geht es um Heimat, um Verortung, um Identität – und um das Gefühl, sich das alles selbst schaffen und gestalten zu können.

Werkstätten, Graffiti, Leuchtturm
© Anna Ditges 2015

Werkstätten

Baustelle, Investoren, Neubau
© Anna Ditges 2015

Bauunternehmer

„Ditges’ neugieriger und nicht selten humorvoller Blick auf Investoren, Protestierende, Politiker und Verwaltungsbeamte ist die große Stärke ihrer Dokumentation über das sonst oft so dröge Thema Stadtplanung.“
WDR Hörfunk

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